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Kuenstler

Monika Riedler studierte Gesang, Lied und Oratorium sowie Musikpädagogik an der Hochschule (Universität) für Musik und darstellende Kunst  Wien, darüber hinaus Anglistik an der Universität Wien. Weitere Studien bei Brigitte Eisenfeld (Berlin), Sena Jurinac und Ruthilde Boesch (Wien) und Maya Mayska (Barcelona) sowie in Meisterklassen von Helmut Rilling und Sergiu Celibidache und -  nicht zuletzt – am Institute for Music and Health in New York.

Ihre Karriere als Solistin mit breit gefächertem Konzertrepertoire, vom Barock bis zur Moderne, konnte Monika Riedler international ausbauen, über die großen Opernhäuser Europas hinaus bis nach Kanada und in die U.S.A. In zahlreichen europäischen Festspielprogrammen scheint der Name Monika Riedler als Sopransolistin auf, unter anderem in den Passionen und der h-Moll-Messe von J. S. Bach, in G. F. Händels Messias, J. Haydns Schöpfung, W. A. Mozarts Messen und dem Requiem, L. v. Beethovens 9. Symphonie und der Missa solemnis, in Oratorien von Mendelssohn und Dvorak. - Auch auf dem Gebiet von Oper und Operette kann die Sopranistin auf eine beachtliche solistische Karriere verweisen: Titelrollen in: „Zauberflöte“ (Pamina), „Idomeno“ (Ilia), „Fledermaus“ (Rosalinde), „Vogelhändler“ (Kurfürstin), „Die schöne Helena“, Gräfin Mariza, „Zigeunerbaron“ (Saffi), Orff (Die Kluge). – Zahlreiche ORF- und CD-Produktionen.

Ihr großes Interesse gilt unvermindert der Gesangspädagogik, vor allem auch in Verbindung mit fernöstlichen Energielehren. – Derzeit unterrichtet sie Stimmbildung am St. Pöltener Konservatorium für Kirchenmusik und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Heinrich Bruckner, geb. 1965 in Wien. Seit 1971 Musikunterricht (Blockflöte, Klavier), Trompetenstudium: 1977 – 1985 (Konservatorium der Stadt Wien – Prof. Schwameis und Prof. Brugger, Diplom mit Auszeichnung).

1985-1987 (Universität für Musik und darstellende Kunst Wien – Prof. Pomberger).

Mehrfach Preisträger  bei „Jugend musiziert“. -  1981 als jüngstem Teilnehmer des „Helmut-Wobisch-Gedächtniswettbewerbs“ Zuerkennung des 3. Preises.

1982-1986 Engagement im Bühnenorchester der Österreichischen Bundestheater. - 1987 – 2006 1. Trompeter der Wiener Symphoniker, seit 2007 ebendort dritter stellvertretender 1. Trompeter.

1995 – 2005 Gastprofessor für Blechbläser-Kammermusik an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.

Seit 1984 Mitglied von „Art of Brass Vienna“ – internationale Konzerttätigkeit, zahlreiche CD-aufnahmen.

Seit 1999 Mitglied des „Ensemble Tonus“ als Zinkenist.

Mitwirkungen in zahlreichen Ensembles wie Pro Brass, Die Reihe, Kontrapunkte, Concentus Musicus, Wiener Virtuosen, Ensemble des 20. Jh., Bach Consort, Barockensemble der Wiener Symphoniker u.v.a.

Elke Eckerstorfer, geb. 1974 in Wels. Beginn des Klavierstudiums am Linzer Bruckner-Konservatorium. Seit 1994 Studium an der Hochschule (Universität) für Musik und darstellende Kunst in Wien, Orgel (Konzertfach) bei Rudolf Scholz und Klavier (Musikpädagogik) bei Antoinette van Zabern. 2000/2001 Studien in Paris, am Conservatoire National Supérieure in der Orgelklasse von Michel Bouvard und Olivier Latry. 2005 Abschluss des Orgel-Konzertfachstudiums an der Musikuniversität Wien bei Michael Radulescu, Diplom mit „einstimmiger Auszeichnung“. Mag. art. Würdigungspreis des Bildungsministeriums. - Mehrmals Teilnahme an der „Internationalen Bach-Akademie“ in Porrentruy/Schweiz und  an  Meisterkursen bedeutender Organisten.

Oftmalige  Preisträgerin österreichischer Landes- und Bundeswettbewerbe „Jugend musiziert“, 1. Preis beim Internationalen Wettbewerb für junge Organisten, Aigen/Schlägl 1998, 2. Preis und Publikumspreis beim XIV. Internationalen Johann-Sebastian-Bach-Wettbewerb Leipzig 2004. – Reiche Konzerttätigkeit, vor allem in Europa und Asien. Gründungsmitglied der „Camerata Viennensis“. Klavier- und Orgelunterricht an Musikschulen Niederösterreichs.

Seit Oktober 2008 unterrichtet Elke Eckerstorfer an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.



Franz Csencsits, geb. in Wien. Ausgewählte Stationen seiner künstlerischen Laufbahn: Wiener Sängerknaben, Reinhardt-Seminar, Engagements an den Landestheatern Linz und Graz, am Wiener Volkstheater und „Theater im Kopf“ (Michael Schottenberg), an den Vereinigten Bühnen Wien (Produktion „Les Misérables), seit 1989 am Wiener Burgtheater; Fernsehproduktionen, Salzburger Festspiele u.a.

Rudolf Scholz, geb. 1933 in Wien, Dr. phil. der Universität Wien1963 (Musikwissenschaft, Kunstgeschichte), Absolvent der Akademie (heute Universität) für Musik und darstellende Kunst in Wien 1964 (Orgel: Konzertfach und pädagogische Staatsprüfung). – Lehrtätigkeit (Orgel, Generalbass) an der Universität Wien seit 1964, als o. Univ.-Professor seit 1975 Leiter einer Konzertfachklasse Orgel sowie Vorstand des Instituts für organologische Forschung und Dokumentation. Emeritierung 2001. –

Internationale Konzerttätigkeit sowohl in Orgel-Solokonzerten, als auch in Chor- und Orchesterwerken aller Stilepochen unter der Leitung der internationalen Dirigentenelite der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts (Herbert v. Karajan, Leonard Bernstein, Zubin Mehta, Carl  Melles, Claudio Abbado, Riccardo Muti u. v. a.)

Klangbeispiele

Gottfried von Einem (1918-1996)
aus Geistliche Sonate für Sopran, Trompete und Orgel II. Molto Andante (1962)

Cesar Bresgen (1913-1988) aus Magnalia Dei

Programm

Beschreibung der Literatur und Komponisten

Gottfried von Einem

Gottfried von Einem (24. Jänner 1918 – 12. Juli 1996) kann zu Recht als einer jener österreichischen Komponisten des 20. Jahrhunderts bezeichnet werden, deren Werke sich im Konzertsaal und auf der Bühne als unverzichtbaren Bestandteil des Repertoires erweisen.

Einer österreichischen Diplomatenfamilie entstammend, wurde Einem in Bern geboren und verbrachte seine Schulzeit in Schleswig-Holstein, wo er auch eine erste musikalische Ausbildung erhielt. Danach wurde er in Berlin Schüler von Boris Blacher, mit dem ihn eine lebenslange Freundschaft verband. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges lebte Gottfried von Einem abwechselnd in Salzburg und Wien – wo er einige Jahre an der heutigen Musikuniversität eine Kompositionsklasse leitete. Nach seiner vorzeitigen Emeritierung wurde ein weiteres Domizil im Waldviertel zum Ort seines kompositorischen Schaffens, dem er bis zu seinem Tode seine ganze Energie widmete.

Zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen wurden Gottfried von Einem zuteil, Ehrenämter und große künstlerische Erfolge säumten seinen Lebensweg.

Das umfassende Œuvre des Komponisten umfasst 6 Opern (deren erste, „Dantons Tod“, durch ihre Uraufführung bei den Salzburger Festspielen 1947 den Ruhm Gottfried von Einems begründete), eine Reihe von Balletten (das Erstlingswerk, „Prinzessin Turandot“ stammt noch aus der Berliner Zeit  und wurde 1944 uraufgeführt), eine Fülle von Chor- und Orchesterwerken, Solokonzerten, Kammermusik und ungezählte Lieder, meist in Zyklen zusammengefasst.

Der Orgel galt das Interesse Gottfried von Einems in geringerem Maße; seine wenigen Kompositionen für dieses Instrument  zeichnen sich jedoch durch Originalität, elementares Musikantentum und Reichtum an vielfältigen Klangeffekten aus.

1981 schrieb Einem das „Konzert für Orgel und Orchester“, op. 62 und im selben Jahr die Orgelsonate op. 64. Die trotz aller Einfachheit ungemein differenzierte Sprache Gottfried von Einems, ihre geistreiche, manchmal hintersinnige, von Witz durchzogene Brillanz, ihre vielgestaltige, oft mit tänzerischen Elementen durchwebte Rhythmik prägt auch die Orgelsonate. Der Komponist schrieb zu diesem Werk. „Meine Sonate op.64 entstand über insistenten Wunsch des Komponisten und Organisten Thomas Daniel Schlee. Drei Sätze beschäftigen Manuale und Pedal in lyrisch-spielerischer, tonaler Art, damit sich Hörer und Solist divertieren. Technisches zu erraten, mag ein daran Interessierter versuchen. Viel Spaß!“

Sonate für Orgel op. 64

I. Lento
II. Allegro moderato
III. Tempo giusto

1974 wurde die  „Geistliche Sonate für Sopran, Trompete und Orgel“, op. 38 im Rahmen des Carinthischen Sommers uraufgeführt. Der 2. Satz dieses Werks war bereits  1962 entstanden – Einem hatte ihn komponiert „Zur Confirmation meines Sohnes“ über einen Text aus dem Paulus-Brief an die Epheser 3,14-17.  1971 schuf Einem den 1. Satz  (Trompete und Orgel) „Für Helmut Wobisch geschrieben und Caspar von Einem zugeeignet“,  3. Satz, Text nach dem 1. Paulus-Brief an die Korinther, 13, 9 - 12  und 4. Satz, nach Psalm 103 waren 1973 entstanden.

Geistliche Sonate für Sopran, Trompete und Orgel

I. Allegro
II. Molto Andante      Zur Confirmation meines Sohnes
Eph. 3, 14-17:
Ich beuge meine Knie vor dem Vater unsers Herrn Jesu Christi,
der der rechte Vater ist über alles, was da Kinder heißt im Himmel und auf Erden,
dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit,
stark zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen,
dass Christus wohne durch den Glauben in euren Herzen
und ihr durch die Liebe  eingewurzelt und gegründet werdet, durch die Liebe.

III. Moderato
1.Kor., 13, 9-12
Denn Stückwerk ist unser Erkennen und Stückwerk unser Weissagen.
Wenn aber die Vollendung kommt, wird das Stückwerk vergehen.
Als ich ein Kind war redete ich wie ein Kind, dachte ich wie ein Kind,
handelte ich wie ein Kind. Als ich aber ein Mann ward, legte ich, was kindisch war, ab.
Jetzt schauen wir durch einen dunklen Spiegel, dann aber von Angesicht zu Angesicht.
Noch ist mein Erkennen Stückwerk, dann aber werde ich erkennen, wie auch ich erkannt bin.

IV. Andante
Psalm 103
Lobe den Herrn, meine Seele und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
Lobe den Herrn, meine Seele und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.
Der dir alle deine Sünden vergibt und heilet alle deine Gebrechen;
Der dein Leben vom Verderben erlöset, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit.
Der Herr schaffet Gerechtigkeit und Gericht allen, die da leiden; Der Herr schaffet Gerechtigkeit allen.
Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergibt uns nicht nach unsrer Missetat.
Wie sich ein Vater über Kinder erbarmet, so erbarmet sich der Herr über die, so ihn fürchten.
Lobe den Herrn, meine Seele!

Als so genannter „konservativer“ Komponist wurde Gottfried von Einem oft kritisch betrachtet, wobei übersehen wurde, wie zeitlos einerseits der musikalische, musikantische Impetus ist, der sein Werk kennzeichnet, und andererseits, wie sehr  – obwohl die stilistischen Wurzeln des  Kompositionsstils von G. v. E. unverkennbar in der abendländischen Tradition verankert sind – seine musikalische Sprache künstlerischer Ausdruck des 20. Jahrhunderts ist, fern jeglichen Epigonentums. „Einem versteht das Wort Komponieren (er schreibt es seit jeher in der absoluten Form mit C am Anfang) im Sinne des lateinischen Stammworts componere, und das heißt zusammensetzen. Deshalb war für ihn der so genannte Strenge Satz, die Kunst des Zusammensetzens, von Anfang an von grundlegender Bedeutung. Zusammengesetztes soll sich nicht allein genügen. Es ist also auch nicht nur auf den Zusammenhalt seiner selbst hin konzipiert, auf seine inhaltliche und formale Stringenz, sondern, wie jede Musik, die etwas auf sicht hält, auf die Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit hin, auf das Vermögen, sich anderen mitzuteilen, ja sogar auf die Teilhabe der Hörer.“ (Friedrich von Saathen).

Die biographische Würdigung Gottfried von Einems, der im Jahre 2008 seinen 90. Geburtstag gefeiert hätte, möge eine Tagebuchnotiz des Achtzehnjährigen vom 7. Jänner 1936 beschließen: „Ich muß ein großer Mann werden, weil Gott mir so schöne Dinge einflüstert.“



Cesar Bresgen

Seit seinem dritten Lebensjahrzehnt beschäftigte sich Cesar Bresgen bis zu seinem Tode immer wieder mit der schillernden, faszinierenden Persönlichkeit des Arztes, Naturforschers, und Philosophen Philipp Aureolus Theophrast Bombast von Hohenheim, genannt Paracelsus. Geboren 1493 in Einsiedeln, starb er nach einem bewegten Leben 1541 in Salzburg, wo er auch begraben ist.

Paracelsus bekämpfte die Schulmedizin seiner Zeit heftig, er strebte deren grundlegende Reform an, die auf Erfahrung, Experiment und Naturbeobachtung basieren sollte. Spekulative Kosmologie und Anthropologie, Elemente der Astrologie, der Alchimie und des Okkultismus prägen nicht nur die religionsphilosophischen, theologischen und sozialpolitischen, sondern auch die medizinischen Schriften des Paracelsus, seiner Weltschau entsprechend. Von Zeitgenossen sowohl verehrt als auch abgelehnt, blieb Paracelsus bis in die Gegenwart umstritten. So hatte in der jüngeren Vergangenheit auch ein 1943 in Deutschland gedrehter Film Weltbild und Persönlichkeit des Paracelsus (verkörpert von Burgschauspieler Werner Krauss) thematisiert – dem damaligen Zeitgeist entsprechend.

Unter den zahlreichen Wirkungsstätten von Paracelsus nimmt Villach einen besonderen, bevorzugten  Platz ein. Villach stiftete 1953 den „Paracelsus-Ring“der im Rhythmus von drei Jahren an große Persönlichkeiten des Kultur- und Geisteslebens verliehen wird. 1985 erhielt Cesar Bresgen diesen Ring in Würdigung  seiner künstlerischen Verdienste um Paracelsus, eine der interessantesten Persönlichkeiten der Spätrenaissance.

Bresgen bedankte sich als Komponist für die hohe Auszeichnung, indem er der Stadt Villach „Sinfonische Metamorphosen über Paracelsus für Sprecher und großes Orchester, MAGNALIA DEI“, widmete. Anlässlich der Uraufführung am 29. Juni 1987 im Villacher Kongresshaus sprach Cesar Bresgen über seine Beziehung zum Paracelsus-Stoff: „Seit 1941 beschäftigt mich die Gestalt des großen Arztes und Denkers … Fasziniert von der Lektüre des Volumen Paramirum (,Von Krankheit und gesundem Leben’) begann ich 1942 mit der Arbeit an einer abendfüllenden Paracelsus-Oper, die – nach Fertigstellung der Partitur – 1943 zur Uraufführung an der Staatsoper Dresden angenommen wurde. Der große Brand Dresdens aber vernichtete mein gesamtes Notenmaterial. Als man mich nun seitens der Stadt Villach und der Internationalen Paracelsus-Gesellschaft 1985 durch die Überreichung des Paracelsus-Ringes ehrte … ging ich dran, eine Reihe wesentlicher Texte des großen Denkers an eine musikalische Form zu binden, ohne sie jedoch zu ‚vertonen’. Als ich während der Entstehung des Werkes Frau Dr. Gerda Fröhlich [1980 – 2003 Intendantin des Carinthischen Sommers] die meiner Musik zugrunde liegenden Texte zu Gehör brachte, schlug diese spontan vor, dieses wunderbare paracelsische Gedankengut auch im Wort in mein Werk einzubauen. … Bei der Auswahl der Texte ging ich vom paracelsischen Begriff ‚Magnalia Die’ aus, d.h. ‚Die Gnaden Gottes’.“

Der formale Aufbau der Komposition besteht aus vier Blöcken und Übergangsstellen, die sieben knappe Paracelsus-Texte umrahmen – an einigen Stellen ist die Musik dem gesprochenen Wort unterlegt. Der Musik liegen archaische Motive wie gregorianische Melodien und vor allem Hymnen ebenso zugrunde wie moderne, illustrative Klänge.

Das hymnische Finale schließt den Kreis zu dem sich wie aus dem Nichts geheimnisvoll erhebenden Beginn der „Magnalia Dei“

I.

Es ist groß zu achten, dass alle Dinge aus Nichts gemacht sind, allein der Mensch nicht, denn Gott hat ihn nach seinem Bildnis gemacht; nicht aus gemeinem Kot, sondern aus dem Auszug aller Geschöpfe. Alle Eigenschaften der Welt hat der Mensch in sich. Und darum ist er der Mikrokosmos, darum ist er das fünfte Wesen der Elemente und des Firmamentes.

Nachdem Gott alle Elemente und Kreaturen, alle Sterne und Geschöpfe geschaffen hat, und alles nach seinem Willen stand, zum letzten hat er den Menschen zu machen sich vorgenommen. Er hat ausgezogen das Wesen von den vier Elementen zusammen in e i n Stück, und er hat ausgezogen von dem Gestirn das Wesen der Weisheit, der Kunst und der Vernunft, und beide Wesen, das der Elemente und das der Gestirne zusammengebracht in eine Masse. Das ist: die Masse ist ein Auszug und in ihm ist das Firmament und die Elemente in eins gebracht worden. So ist in die Hand Gottes gekommen alle Natur, Kraft und eigenschaft und alles Wesen in der oberen und der unteren Welt. Die allesamt hat Gott in seiner Hand gehabt und nach seinem Bildnis daraus geformt den Menschen.

Darum weiß Gott von Mund zu Mund, was wir wollen, denn er ist näher bei unseren Herzen als die Zunge oder unsere Gedanken. Was aber ist die Kraft, die innere Kraft der Erde, die Gott ihr am Tag des Anfangs gab? Er hat sie nicht mehr erneuert, und sie ist doch noch da bis heute, wie an jenem ersten Tag.

So wisset: Das Wachstum des Geschaffenen geschieht nicht aus Gewalt oder aus Willkür, auch nicht mit einer Macht gleich einer Schlacht, sondern aus G n a d e.

II. 

Nichts feiert in der Natur. Es ist alles in Unruhe von Stund zu Stunde, von Tag zu Tag, von Nacht zu Nacht. Gott hat den Sternen ihren Lauf gegeben, sie sind geworfen von der Hand Gottes in den Kreis des ganzen Firmamentes, ein jeglicher Stern in den Kreislauf und seinen Gang. Und da feiert kein Stern, kein Stern steht stille, sie sind alle in täglicher Übung ihrer Kräfte, damit sie die Natur erwecken und antreiben zu ihrem täglichen Wirken.

Allein der Mensch feiert zur Nacht und den Sabbath – wegen des Gebotes. Der Sabbath ist aber nicht dem Geist geboten, dass dieser still und müßig stehe, sondern er gilt allein dem Leib. Der Geist aber ruhet nicht, er soll für und für in Arbeit sein, also dass weder Schlaf noch Sabbath ihn still und ruhig macht.

Nicht umsonst ist uns der Blinde geboren, denn er gibt uns ein Beispiel, dass wir im Licht der Natur mit sehenden Augen blind sind. Wir Menschen auf Erden, was haben wir ohne das Licht der Natur in der Erkenntnis aller natürlichen Dinge? Vom Auftun der Augen ist zu reden. Von der Süße der Erde, von den Immen.

Ihr sollt wissen, dass dreierlei Honig in einem Gewächs ist. In der Beschreibung des Wesens des Honigs müssen wir am ersten beachten, dass die prima materia des Honigs die Süße der Erde ist.

Nun ist in alledem ein Unterschied. Die Blumen der Linden geben ein anderes Wesen, ein anderes die Blumen der Buchen, ein anderes die Blumen der eichen. Das ist alles grobe, bäuerische Speise der Immen … Die sich in der Wildnis behelfen, die sind grober, bäuerischer Art,  die geben einen harten, starken, groben Honig und Wachs, kernhaft und wahrhaft. Denn die Bauern sind im Volk die ersten und bleiben auch die letzten. Dann aber sind da die edlen Immen, die sich in den Rose n, Lilien und dergleichen gezierten Blumen nähren. Diese geben den edelsten Honig und Wachs, gut zu süßem Meth und zu subtilen Pflastern … Gott hat ihnen das Regiment gegeben und auch, Künstler zu sein, auf das er die Magnalia Die, die Wunder Gottes, lobt und preist in seinen Kreaturen, die er doch mehr als wunderbar vollkommen erschaffen hat. Und der Mensch kann so wenig ihre Geheimnis erfahren … so wenig sie die des Menschen ergründen können. Und so wenig er ihnen das ihrige nachtun kann, so wenig sie ihm auch.

III.

Ihr greift mich an, weil ich geredet wider die falschen Ärzte, die den Menschen verkrümmen und lähmen, erwürgen und töten., damit der eigennutz gemehret werde, unangesehen das Gebot der Liebe. Denn sobald die Liebe in dem Nächsten erkaltet, so mag sie dem Nächsten keine Frucht mehr tragen und was Frucht da getragen wird, die geht in Eigennutz.

Du musst helfen w o l l e n und der Geist der Weisheit und der Geist der Liebe wird in dich kommen, dich leiten und führen. Denn im Herzen wächst der Arzt, aus Gott geht er hervor, des natürlichen Lichtes ist er und der höchste Grad, der Urgrund der Arznei ist die Liebe.

Wie kann ein Arzt sprechen, dass eine Krankheit nicht zu heilen sei, in der der Tod nicht sitzt? Allein die seind unheilbar, in denen der Tod ist. O ich tollen Köpfe, wer heißt euch reden, so ihr nichts könnt noch wisst? Warum betrachtet ihr nicht die Rede Christi, der da sagt, die Kranken bedürfen des Arztes? Sind sie nicht krank, die ihr verwerfet? Eine jegliche Krankheit hat ihre Arznei. Denn Gott will wunderbarlich mit den Kranken gesehen werden. Denn Gott ist der, der da geboten hat, du sollst den Nächsten lieben als dich selbst und Gott vor allen Dingen. Willst du nun Gott lieben, so musst du auch seine Werke lieben. Willst du deinen Nächsten lieben, so musst du nicht sagen, dir ist nicht zu helfen, sondern du musst sagen, ich kann es nicht, ich verstehe es nicht. Die Arznei ist eine Kunst, die mit großem Gewissen und mit großer Erfahrung gebraucht werden soll, auch mit großer Furcht Gottes. Denn, der Gott nicht fürchtet, der mordet und stiehlt für und für, der kein Gewissen hat, der hat auch keine Scham.

IV.

Christus ist das Licht der Welt. Die Welt aber ist Gottes Haus. Wie sie nun geschaffen und geworden, so wisset, dass sie nicht so hingehet, wie sie herkommen ist. Sondern es werden bleiben vom Menschen das Herz und von der Welt das Geblühe. Die S e e l e aber ist nicht des Todes. Die Scheidung des Mikrokosmos geht erst im Tode an. Das scheiden sich zwei Leiber voneinander, der himmlische und der irdische. Der eine fährt über sich, den Adlern gleich, der andere fällt unter sich, zur Erde wie Blei. Der elementarische Leib verwest, wird unter die Erde vergraben und nicht mehr gesehen; der sakramentalische, das heißt der himmlische Leib verwest nicht und wird nicht begraben. Und wenn dieser Leib der Gnade nicht wäre, so stürbe der irdische Leib in der ersten Stunde seines Daseins.

Die letzte Ursache aller Dinge aber ist uns verborgen. Am Ende der Welt werden geoffenbart werden die Dinge, alle, vom kleinsten zum größten, vom ersten zum letzten. Und alles, was auf der Welt ist, das wird eröffnet werden und an den Tag kommen.

Und  offenbar werden die Herzen der Menschen, was ein jeglicher hervorgebracht hat, wird offenbar, als stünde es an einem jeglichen auf der Stirn.

Auf diese Zeit befehlte ich das Urteil über meine Schriften. Denn Gott setzt das Licht offenbar, das heißt: ein jeglicher wird sehen, wie es geleuchtet hat.



Der Uraufführung des Werks war ein solcher Erfolg beschieden, dass Cesar Bresgen sich entschloss, durch eine solistische Bearbeitung des großen Orchesterparts eine umfassende Verbreitung dieser Komposition zu erleichtern. Cesar Bresgen, nicht nur Komponist, sondern auch Pianist und Organist, übertrug die ganze Farbpalette eines großen Orchesters der Orgel, jenem Instrument, dessen Reichtum an Klangvarianten alle anderen Instrumente übertrifft.
Bresgen plante, diese seine Orgelfassung der „Magnalia Dei“ gemeinsam mit dem Sprecher der Uraufführung in Villach, Burgschauspieler Romuald Pekny, aufzuführen. Es sollte nicht mehr dazu kommen: am 7. April 1988 starb Cesar Bresgen. Tagebuchaufzeichnungen aus dem letzten Lebensjahr, bis knapp zwei Wochen vor dem Tod des zuletzt Schwerkranken, sind immer wieder durchzogen von Reflexionen über die Gedankenwelt des Paracelsus und Plänen für eine neue Paracelsus-Oper oder zumindest für eine Paracelsus-Kantate. Die Witwe des Komponisten, Eleonore Bresgen, vertraute dessen langjährigem, engen  Freund, dem Organisten Rudolf Scholz, für seine Konzerttätigkeit die Orgelfassung der „Magnalia Dei“ an. Am 2. Mai 1991 fand deren Uraufführung im Großen Saal des Wiener Konzerthauses statt, mit Romuald Pekny als Sprecher.
...........................................Helga Scholz